Sonntag, 20. September 2015

Tischführer: Der erste eigene Tisch

Die Begeisterung ist da, der eigene Tisch muss her. Nur was muss ich bei Anschaffung und Unterbringung bedenken?

Preis

Soccertische aus dem Premium Segment kosten neu 1300€ bis 1500€ und sind äußerst stabil und langlebig. Diese Tische überleben selbst den Jahrelangen Einsatz in Kneipen, in denen sie täglich mehrere Stunden gespielt werden. Gebrauchte Tische von privat aus diesem Segment, sind für etwa 600€ bis 1100€ zu haben. Ein turniergespielter P4P kostet 1300€. Der Wertverlust ist relativ gering.
Es besteht auch die Möglichkeit alte Kneipentische zu erwerben. Diese müssen dann gründlich gereinigt und ggf. ein paar Stangen, Figuren und Puffer erneuert werden (Tipp: Finger weg von billig Material). Ein Komplettsatz an Stangen + Figuren + Puffer + Schrauben kostet etwa 250€. Alte Kneipentische sind mit Vollstangen und schmaleren Toren ausgestattet. Aktuelle Turniertische sind mit Hohlstangen (also Stangen, die innen hohl sind) und 20.5cm breiten Toren ausgestattet. Dies macht für die Technik einen großen Unterschied und ist als Trainingsgrundlage für Spieler mit Turnierambitionen nicht zu empfehlen. Eine weitere Möglichkeit bieten Tische aus dem Budget Segment. Diese kosten neu 300€ bis 800€ und sind deutlich besser als preislich vergleichbare Tische aus dem Baumarkt. Hierzu widmen wir noch einen eigenen Artikel.

Laustärke

Ein weiterer Punkt ist die Lautstärke beim Spielen. Wenn man den Tisch zu allererst in der eigenen Wohnung bespielt, wird sich selbst das Rollen des Balls auf dem Spielfeld sehr laut anfühlen. Alleine weil man diese Geräusche in der gewohnten Umgebung nicht kennt. Denn tatsächlich ist Kickern leiser als z.B. laute Musik oder das Spielen eines Instruments. Am lautesten sind beim Kickern die jubelnden Spieler.
Ein paar grundlegende Maßnahmen zum Lärmschutz muss man immer Ergreifen. Wenn man mehrere Lagen Teppich unter die Füße packt, dann werden die Geräusche, die durch Anschlagen an der Bande verursacht werden, sicher von diesem gedämmt und nicht bis zu den Nachbarn übertragen. Als unterste Lage kann man zum Beispiel eine gummierte Fußmatte nehmen und erreicht dadurch wieder die Standfestigkeit. Bei Teppich als Untergrund kann man die unterste Lage Teppich mit etwas Glattem bekleben, um den Tisch einfach verschieben zu können. Ein einfach verschiebbarer Tisch gibt einem zudem auch eine gute Rückmeldung zur eigenen Technik. Wenn der Tisch wandert, benutzt man zu viel Kraft.
Wenn man den Torklang dämpfen will, kann man etwas Stoff (Geschirrtuch oder ein abgeschnittenes Hosenbein von der Lieblingsjeans) von oben ins Tor hängen. Um das Anschlagen an den Banden ganz abzudämpfen kann man die Puffer von der Firma Flix erwerben. Diese sind aus Schaumstoff und dämpfen Schläge sehr effektiv und geräuscharm ab.
Generell ist Schusstraining relativ laut (nur tagsüber), Passtraining (2 auf 5 oder 5 auf 3) kann man auch noch abends machen und Ballkontrolle Training (Tic-Tac oder Ballführung) kann man auch noch spät abends machen. Wobei die Einzelheiten sehr von Wohnung und Nachbarn abhängen.

Platzbedarf

Um einen Tisch in der eigenen Wohnung unterzubringen und mit 4 Leuten zu bespielen, werden mindestens ca. 2m x 2.50m benötigt. Meiner Erfahrung nach ist das allerdings die Ausnahme und die meiste Zeit trainiert man alleine an seinem Tisch. Ich selbst hatte in meinem Studentenzimmer einen Tisch, der meistens am Fenster stand und dann ca. 1.30m x 1.50m in den Raum hereingeragt hat. Falls der Kicker mal etwas weniger Platz belegen soll, kann man den Tisch hochkant an die Wand stellen und die Beine abmontieren. Der Korpus ist tief genug, dass er hochkant sicher steht.

Gewicht und Transport

Premium Tische wiegen in aufgebautem Zustand zwischen 110kg und 130kg. Nachdem man Stangen und Beine abmontiert hat, kann man den Korpus zu zweit Tragen. Es empfiehlt sich aber soweit möglich, die Verwendung von Rollbrettern zum Transport. Der Korpus hat Maße von etwa 1.50m x 0.75m x 0.40m und passt bei umgelegter Rückbank in die meisten Autos. In der eigenen Wohnung kann man den Korpus alleine bewegen, indem man ihn hochkant auf ein Stück Pappe oder eine Decke stellt. Jetzt lässt er sich durch die Gegend schieben.

Aufbau

Für den Aufbau des Tisches ist der hochkant stehende Korpus die Ausgangslage. Bei P4P und Lettner gibt es zwei Beinpaare die man unter dem Tisch befestigt, bevor man sie in die Endposition bringt (Vorsicht: schwer). Bei Leonhart gibt es 4 einzelne Beine, von denen man erst die oberen beiden befestigt, bevor man ihn auf dies kippt. Wenn man ihn dann  anhebt kann man die restlichen Beine befestigen.
Danach montiert man die Figuren. Neue Figuren gehen mitunter sehr schwer über die Stangen. Etwas Pronto hilft hier wahre Wunder. Bei den Puffern muss man darauf achten, wie man sie zu den Figuren montiert. Zu manchen Puffern gehört eine Metallscheibe (bei Leonhart ist diese integriert), die dafür sorgt, dass der Puffer bei extrem hartem Anschlagen nicht über die Figur gezogen werden kann.

Ausrichten

Zu guter letzt muss man den Tisch nur noch ausrichten, also so hinstellen, sodass das Spielfeld waagerecht ist. Zu diesem Zweck sind alle besseren Tische mit höhenverstellbaren Füßen ausgestattet. Zum Ausrichten benötigt man eine Wasserwaage oder alternativ kann man auch einen neuen Ball nehmen. Um die Höhe eines Beins zu justieren, muss man den Tisch leicht anheben und den unteren Teil des Fußes drehen. Man kann den Tisch alleine anheben indem man sich vor ihn auf einem Knie niederlässt und das andere unter den Rand des Tisches schiebt. Jetzt kann man den Tisch locker aus der Wade anheben und gleichzeitig mit den freien Händen den Fuß auf die gewünschte Höhe drehen.
Am schnellsten ist man, wenn man zuerst nur auf drei Beinen ausrichtet. Im ersten Schritt nimmt man sich die Querrichtung vor und dreht dabei nur an zwei Beinen. Dann nimmt man die Längsrichtung und dreht dabei nur an einem dritten Bein, sodass das letzte in der Luft schwebt. Wenn man den Stand mit der Wasserwaage überprüft, muss man sich auf den Tisch lehnen, damit er auf den richtigen drei Beinen steht. Wenn das Ergebnis erreicht ist, muss man nur noch das letzte Bein auf die richtige Länge drehen und ist fertig. Diese Technik funktioniert allerdings nur mit Tischen die stabil genug sind.

Fazit

Tischfußball kostet wie jedes andere Hobby Geld, ist aber weniger akzeptiert, als zum Beispiel ein Musikinstrument, der Riesenfernseher, der bei gleicher Diagonale deutlich teurer ist, oder das Motorrad.
Tischfußball hat gegenüber anderen Sportarten den großen Vorteil, dass man ein komplettes Stadion mit zwei Mannschaften bei sich im Wohnzimmer unterbringen und dadurch sehr praxisnah zu Hause trainieren kann. Dabei ist es egal ob man nur gelegentlich daran spielen möchte oder ob man Leistungsorientiert jeden Tag mehrere Stunden an Schüssen, Pässen und Ballkontrolle feilt. Wenn man die Möglichkeit nutzt "mal eben ein bisschen" zu trainieren wird einen das sehr viel weiterbringen. Selbst solange man nur mehrmals am Tag eben ein paar Minuten dran steht. Häufig erweckt gerade dies wieder die Freude und es ergeben sich so spontan längere Sessions, in denen man neue Ideen ausprobiert.

Autor: Fabian Wachmann

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